
Gangstörungen sind Folge vieler neurologischer Erkrankungen. Sie können durch Schlaganfälle oder im Rahmen einer Multiplen Sklerose, einer neuromuskulären Erkrankung oder auch eines schweren Parkinson-Syndroms auftreten. Die Rehabilitation des Stehens und Gehens ist sehr komplex. Um das Rehabilitationsziel zu erreichen, fordern moderne Konzepte ein aufgabenspezifisches Üben. Konkret heißt das, wer das Gehen wieder erlernen soll, muss das Gehen selbst üben.
Möglichst viele Schritte sollen in der Therapieeinheit durchgeführt werden. Um diesem Konzept gerecht zu werden, wird von uns bei schwerer beeinträchtigten Patienten der von der Arbeitsgruppe von Hesse und Mitarbeitern, Berlin, entwickelte Gangtrainer eingesetzt.
Der Einstieg aus dem Rollstuhl heraus erfolgt nach Gurtsicherung mit Hilfe eines Schwenkarmes. Der in einem Gurt gesicherte Patient steht auf zwei Fußplatten, deren Bewegung das natürliche Gehen simuliert. Ein drehzahlgeregelter Motor unterstützt die Bewegung des Patienten je nach dessen Mithilfe. Die für das Gehen wesentlichen Rumpfbewegungen in vertikaler und lateraler Richtung werden zyklusphasengerecht gesteuert.
Weitere Komponenten sind das Gleichgewichtstraining im Sitzen und das Training im Stehpult, möglichst früh werden Gehübungen angestrebt. Das Aufstehen des Patienten wird mit möglichst symmetrischer Gewichtsverteilung eingeübt. Unterstützend werden in der Übungsphase des Gehens Wickel zum Anheben des Fußes angelegt. Auf längere Sicht kann der Einsatz von Fußheber-Orthesen notwendig werden, um ein sicheres Gangbild zu gewährleisten. Beispielsweise kommt die Valenser-Schiene gewinnbringend bei spastischen Paresen zum Einsatz, da sie eine Restbeweglichkeit im Sprunggelenk zulässt. Auch kann die funktionelle Elektrotherapie angewendet werden. Am Ende der Standbeinphase des Gehens wird die Fußhebung auf der beispielsweise durch einen Schlaganfall gelähmten Seite elektrisch unterstützt. Je nach Gangbild und Gesamtsymptomatik müssen Handstock, Gehstütze oder Rollator zur Sicherung des Gehens in der Behandlung eingesetzt, getestet und verordnet werden.
Behindert eine spastische Tonuserhöhung bestimmte Funktionen, kann ergänzend der gezielte Einsatz von Botulinum-Toxin erwogen werden. Beispielsweise kann die Injektion des Toxins in den Wadenmuskel zu einer nachhaltigen Verbesserung des Gangbildes mit normgerechteren Abrollen führen.
... zur Übernahme der Kosten der Rehabilitation durch den entsprechenden Kostenträger finden Sie hier als PDF-Dokumente:
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Aktualisiert am 12.03.2009