Die primär geschlossenen und kreisförmig verlaufenden Faserringe (Anulus fibrosus), die den Gallertkern umgeben, entwickeln kleine Risse und Spalten. Durch die vorwiegende Beugehaltung der Lendenwirbelsäule sucht sich der ...
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Der Bandscheibenvorfall - was ist das?

Etwa um das 25. Lebensjahr, so haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, setzt die Bandscheibendegeneration ein. Die primär geschlossenen und kreisförmig verlaufenden Faserringe (Anulus fibrosus), die den Gallertkern umgeben, entwickeln kleine Risse und Spalten. Durch die vorwiegende Beugehaltung der Lendenwirbelsäule sucht sich der Gallertkern den Weg nach hinten durch die defekten Maschen des Faserringes und wandert Richtung Wirbelkanal oder Nervenaustrittsgang. Solange er dabei den äußeren Faserring der Bandscheibe vor sich herschiebt, nennt man es Bandscheibenvorwölbung. Wenn auch der äußere Faserring kaputt gerissen ist, nennt man es Bandscheibenvorfall (siehe Abbildung).

Die nächste Barriere stellt das hintere Längsband dar.
Da vor allem der äußere Faserring schmerz-, druck- und dehnungsempfindlich ist, entsteht der tiefsitzende , unangenehme Rückenschmerz (Lumbago), sobald der Bandscheibenkern gegen die hintere Begrenzung des Faserringes bzw. des hinteren Längsbandes gepresst wird.
Erst bei Kompression der Nervenwurzel durch das austretende Bandscheibengewebe verspürt der Patient einen fortgeleiteten Schmerz in das Versorgungsgebiet der gedrückten Nervenwurzel (im Halswirbelsäulenbereich ausstrahlende Schmerzen in die Arme, im Lendenwirbelsäulenbereich ausstrahlende Schmerzen in die Beine).

Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, entwickeln sich die dazugehörigen Reflexausfälle, Minderung der Berührungsempfindlichkeit im betroffenen Versorgungsareal und im schlimmsten Fall motorische Ausfälle (Lähmungen). Der betroffene Wirbelsäulenabschnitt zeigt eine Schonhaltung und ist in seiner Gesamtbeweglichkeit eingeschränkt.

Das klinische Bild des Bandscheibenvorfalles soll, da 95 % der Bandscheibenvorfälle in den unteren Lendenwirbelsäulensegmenten zu finden sind, am Beispiel des Bandscheibenvorfalls zwischen dem fünften Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein (Etage L5/S1) dargestellt werden. Eine S1-Nervenwurzelschädigung bedingt eine Abschwächung oder im schlimmsten Fall eine Lähmung der Fußstreckermuskulatur, eine Abschwächung oder ein Verschwinden des Achillessehnenreflexes und eine Minderung der Berührungsempfindlichkeit an der Außenseite des Beines, zur Kleinzehe ziehend.

Bei einer Nervenwurzelkompression durch einen Bandscheibenvorfall lässt sich durch das Anheben des gestreckten Beines ein sogenannter "Ischiasdehnungschmerz" auslösen, der im allgemeinen von der Lendenwirbelsäule über die Gesäßhälfte in das betroffene Bein ausstrahlt.

Nicht alle in der Computertomographie oder Kernspintomographie erkennbaren Bandscheibenvorfälle sind praxisrelevant.
Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 20 % von rückenschmerzfreien Untersuchungspersonen in der Computertomographie oder der Kernspintomographie Bandscheibenvorwölbungen oder Bandscheibenvorfälle im Lendenwirbelsäulenbereich bieten. Diese Bandscheibenvorfälle sind "stumm", sie sitzen, ohne klinische Erscheinungen oder Beschwerden zu verursachen, im Reserveraum des Wirbelkanals und bedürfen keiner therapeutischen Konsequenz.
Es wird deshalb an dieser Stelle noch einmal betont, dass das klinische Bild beim Planen der therapeutischen Maßnahmen den absoluten Vorrang hat und den bildgebenden Untersuchungen nur ein ergänzender Stellenwert zukommt.

Fragen?

Sollten Sie Fragen zum Thema Rückenschmerz oder Bandscheibenerkrankung haben, so rufen Sie doch einfach unter der Telefonnummer 05652 55-821 an oder besser, schicken Sie eine E-Mail an Orthopädie.

Sehr würden wir uns freuen, Sie in unserer Klinik als Patient/in begrüßen und mit all unseren therapeutischen Möglichkeiten zur Linderung Ihrer chronischen Rückenschmerzen bzw. Bandscheibenprobleme beitragen zu können.

Abbildungen

 

Bandscheibenvorwölbung
Bandscheibenvorwölbung



Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorfall

 

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