
von Dr. med. Carsten Schröter
Dystrophinopathien - Einleitung
Die Dystrophinopathien sind Muskeldystrophien, die durch eine
Mutation des Gens, welches Dystrophin kodiert, bedingt sind. Die
häufigste Form der Muskeldystrophien ist der Typ Duchenne, mit
einer Häufigkeit von etwa einem von 3.500 Knaben in Deutschland
immer noch eine seltene Erkrankung. Die Muskeldystrophie vom Typ
Becker-Kiener ist deutlich seltener. Das Protein Dystrophin ist
wichtig für die Stabilität der Membran der Muskelfasern. Bei der
Muskeldystrophie vom Typ Duchenne besteht ein hochgradiger bis
vollständiger Mangel an funktionsfähigem Dystrophin. Bei der
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener ist der Mangel weniger
ausgeprägt, entsprechend ist der Verlauf der Erkrankung auch
wesentlich günstiger.
Der Französische Neurologe Guillaume Benjamin Amand Duchenne de
Boulogne (1806 -1875) beschrieb die "Paralysie Musculaire
Pseudo-hypertrophique" im Jahre 1868. Im Jahre 1955 beschrieb der
deutsche Neurologe und Humangenetiker Peter Emil Becker (1908 -
2000) gemeinsam mit Franz Kiener, einem deutschen Psychologen, eine
Muskeldystrophie, die ebenfalls wie die Muskeldystrophie vom Typ
Duchenne X-chromosomal rezessiv vererbt wurde, aber einen
wesentlich günstigeren Verlauf zeigte.
Die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne ist die am besten erforschte
Muskeldystrophie. Ende der 80er Jahre wurde das Gen entschlüsselt,
wenig später auch das Genprodukt, das Dystrophin. Das
Dystrophin-Gen ist das größte Gen des Menschen. Das gewachsene
Verständnis für die molekulargenetischen Abläufe und die
Fortschritte bei Therapieverfahren lassen die Erwartung zu, eines
Tages eine Gentherapie der Dystrophinopathien, also auch der
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener, durchführen zu können.
Dystrophinopathien: Diagnosestellung
Wie bei allen anderen Erkrankungen steht auch bei der
Muskeldystrophie die Diagnose vor der Therapie. Bei der
Anamnese (Befragung des Patienten zur
Vorgeschichte) interessieren besonders der Beginn der
Funktionsstörungen, der Verlauf und das Auftreten ähnlicher
Störungen bei anderen Familienmitgliedern.
Bei der körperlichen Untersuchung wird nach
allgemeinen Auffälligkeiten geschaut, wie Gelenkveränderungen,
Organvergrößerungen, Lungenfunktion, etc.. Bei der speziellen
neurologischen Untersuchung wird die Funktion der
Nerven und Muskeln und deren Steuerung überprüft. Bei Lähmungen
werden Schwerpunkt, Ausmaß und Art der muskulären Schwächen genauer
ermittelt. Allein durch diese ersten Maßnahmen ist oft schon eine
Zuordnung der Muskelerkrankung möglich.
Zur genaueren Differenzierung ist eine neurophysiologische
Untersuchung notwendig: Durch die
Elektroneurographie (NLG) werden die
Nervenleitgeschwindigkeit und die Funktionstüchtigkeit der
Nervenfasern ermittelt. Dabei werden Nerven elektrisch gereizt.
Durch die Elektromyographie (EMG) werden
Muskelströme gemessen. Dabei kann ermittelt werden, ob die
zuführenden und den Muskel aktivierenden Nerven intakt sind oder ob
die Muskeln selbst erkrankt sind. In der Regel ist durch diese
Untersuchungen schon zu klären, ob eine Erkrankung des Nerven oder
der Muskeln vorliegt und diese diagnostisch genauer
einzuengen.
Laboruntersuchungen geben ebenfalls wichtige
Hinweise: Die "CK" (=Creatin-Kinase), ein Muskelenzym, findet sich
bei Muskelkrankheiten wie der Muskeldystrophie vom Typ
Becker-Kiener oft in erhöhtem Ausmaß im Blut. Andere Enzyme und
Stoffwechselprodukte der Muskeln (z.B. Aldolase, Pyruvat, Ammoniak,
Laktat), bestimmte Antikörper (Eiweiße der Körperabwehr) sowie
Untersuchungen der Routine- und anderer Laborparameter in Blut und
Urin ergänzen je nach Fragestellung das Spektrum.
Auch bildgebende Diagnostik kann sinnvoll sein, insbesondere das
MRT (Magnetresonanz- oder Kernspin-Tomographie)
und Ultraschall. Hier können ohne nennenswerte
Belastung des Patienten die Strukturen der Muskeln und deren
Veränderungen beurteilt werden. Bei beiden Untersuchungen werden
Muskeln oder andere Teile des Körpers in Schichten dargestellt.
Leider haben diese Untersuchungen für die meisten Formen der
Muskeldystrophien wenig Aussagekraft.
Die Muskelbiospie erlaubt die Untersuchung des
Muskels unter dem Licht- und dem Elektronenmikroskop. Das
Dystrophin kann an den Membranen der Muskelfasern direkt angefärbt
werden. Stellt sich eine isolierte Störung des Dystrophingehaltes
dar, weist dies auf eine Dystrophinopathie, z. B. eine
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener hin, ein hochgradiger Mangel
bzw. Verlust weist auf die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne hin.
Auch können die Stoffwechselvorgänge im Muskel am Präparat genau
untersucht werden (Biochemie).
Weitere Untersuchungen dienen dem Nachweis einer Beteiligung
anderer Organsysteme wie die Untersuchung der Herzströme (EKG),
Ultraschall von Herz und Bauchorganen.
Zunehmende Bedeutung kommt der molekulargenetischen
Diagnostik bei. Hier wird eine Untersuchung von Teilen der
Chromosomen, des Erbguts, durchgeführt. Durch den direkten
genetischen Nachweis der veränderten Chromosomenabschnitte (Gene)
können die Erkrankung und deren Ursache genau ermittelt werden. Die
Zahl der verschiedenen Muskelkrankheiten ist sehr hoch, die
molekulardiagnostische Untersuchung dagegen sehr aufwendig. Deshalb
muss vor der molekulargenetischen Untersuchung die Diagnose schon
möglichst klar eingegrenzt sein. Tritt eine Muskeldystrophie beim
Jugendlichen oder Erwachsenen auf, ist in der Regel die
weiterführende Diagnostik einschließlich Biopsie notwendig, da die
Symptomatik nicht ausreichend spezifisch ist.
Dystrophinopathien - Muskeldystrophie vom
Typ Becker-Kiener
Das Dystrophin-Gen befindet sich auf dem X-Chromosom. Die Frau hat
zwei X-Chromosomen, der Mann ein X- und ein Y-Chromosom. Beim
X-chromosomal rezessiven Vererbungsmodus ist die Frau Überträgerin
des Merkmals, wenn es sich nicht um eine Spontanmutation handelt.
Die Überträgerin wird auch Konduktorin genannt. Sie selber ist in
der Regel gesund, sie hat ein weiteres X-Chromosom, auf dem ein
"gesundes" Gen sitzt, welches sich durchsetzt und das Auftreten der
Erkrankung verhindert. In der Zelle der Frau ist eines der
X-Chromsomen inaktiv. Dabei ist es in einer Zelle dem Zufall
überlassen, ob das eine oder das andere X-Chromsom aktiv ist. Ist
zufällig ganz vorwiegend das gesunde X-Chromosom inaktiv, so kann
die Frau auch Krankheitszeichen aufweisen. Im Schema sind in den
oberen Kästchen das X- und das Y-Chromosom des Vaters, in den
linken Kästchen die X-Chromosomen der Mutter angegeben. Die
markierten Felder sollen angeben, dass hier ein X-Chromosom die
Information für das Auftreten der Erkrankung beinhaltet. Nur der
Junge (XY) wird wahrscheinlich erkranken.
| X | Y | |
| X | XX | XY |
| X | XX | XY |
Risiko zu erkranken: für Jungen 50%, für Mädchen 0% (s. aber
weitere Ausführungen), Risiko eine Konduktorin zu sein 50%.
Dachte man früher, dass eine Konduktorin einer Muskeldystrophie vom
Typ Becker-Kiener nicht relevant erkranken und allenfalls erhöhte
CK-Werte aufweisen könne, so weiß man heute, dass auch bei einem
Teil der Frauen meist milde Muskelschwächen auftreten können.
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener - Verlauf und
Symptomatik
Die Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener zeigt einen sehr
unterschiedlichen Beginn und Verlauf. Schwächen können im Kindes-,
Jugend- und Erwachsenenalter beginnen. Die langsam fortschreitenden
Schwächen betreffen vorwiegend die rumpfnahen Anteile von Armen und
Beinen, insbesondere von den unteren Extremitäten. Schwierigkeiten
beim Rennen und beim Treppensteigen sind oft die ersten Symptome,
oft ist zudem die motorische Entwicklung verzögert. Die
Gehfähigkeit kann im späten Jungendalter aufgehoben oder auch bis
ins hohe Seniorenalter erhalten bleiben. Kontrakturen der
Sprunggelenke kommen vor.
Auch eine Beeinträchtigung der Herzfunktion kann auftreten. Sie
kann unabhängig von muskulären Schwächen oder vor ihnen auftreten.
Aus diesem Grunde sind regelmäßige Herzuntersuchungen notwendig.
Erste Hinweise können das Elektrokardiogramm (EKG, Herzströme),
Langzeit-EKG oder das Echokardiogramm (UKG, Ultraschalluntersuchung
des Herzens) geben. Bei Einleitung eines Trainingsprogramms muss
auch die Belastbarkeit der Herzfunktion beachtet werden.
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener -
Therapieoptionen
Die Symptomatik der Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener ist in
Ausprägung und Verlauf sehr unterschiedlich. Die Schwächen der
Muskulatur können sehr schwer sein und zur Rollstuhlabhängigkeit
führen oder auch nur geringe Beeinträchtigung mit sich bringen.
Ziele der Therapie und insbesondere der Rehabilitation bei
Patienten mit Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener sind die
Verbesserung der muskulären Funktionen und bei schwereren Störungen
das Erhalten der Selbständigkeit in der Beweglichkeit und
Selbstversorgung sowie der Teilhabe am sozialen Leben. Die
Behandlung ist am effektivsten bei einem interdisziplinär
arbeitenden Team aus Ärzten, Pflege, Krankengymnasten,
Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern, das in
der Behandlung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
versiert ist.
Kreatin wird schon lange eingesetzt als Nahrungsergänzung von
Sportlern, um damit die maximale Leistungsfähigkeit des Muskels zu
verlängern und die Erholungszeit nach Anstrengung zu verkürzen. Das
Präparat konnte auch bei neuromuskulären Erkrankungen
unterstützende Effekte zeigen. In Anbetracht des günstigen
Nebenwirkungsprofils kann Kreatin zusätzlich zu der übrigen
Therapie eingesetzt werden. Blähungen und Gewichtszunahme werden
beobachtet. In höheren als den für das jeweilige Alter und
Körpergewicht empfohlenen Dosen kann es zu Auskristallisierung in
der Blutbahn und dadurch zu Nierenschäden kommen.
Das Verständnis für die molekulare Basis vieler neuromuskulärer
Erkrankungen hat die diagnostische Genauigkeit erhöht und stellt
die Basis für die Entwicklung gezielter therapeutischer Maßnahmen
dar. Es gibt vielversprechende Ansätze, das Erbgut, die DNA
(Desoxyribonukleinsäure), zu "reparieren" oder das Ablesen
gestörter Chromsomenregionen zu beeinflussen. Wahrscheinlich kann
damit eines Tages das Fortschreiten einer Muskelkrankheit
aufgehoben oder sogar eine Erkrankung geheilt werden. Zum heutigen
Zeitpunkt ist aber noch keine dieser Therapien außerhalb von
Studien einsetzbar. Auch die Stammzelltherapie, die Hoffnung auf
neue Behandlungsoptionen macht, kann der Verlauf neuromuskulärer
Erkrankungen heute noch nicht beeinflussen.
Physiotherapie bei Muskeldystrophie vom Typ
Becker-Kiener
Die Schwäche der Muskulatur ist ein wesentliches Problem bei der
Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener. Es gibt eine Reihe von
Studien, die die Effekte von Übung und Training auf die
Muskelstärke bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
untersucht haben. Bei langsam fortschreitenden Erkrankungen brachte
ein 12-wöchiges Training mit moderatem Widerstand eine Zunahme der
Kraft um 4 bis 20% ohne negative Effekte. In der gleichen
Patientengruppe hatte ein Training mit kräftigem Widerstand über 12
Wochen keine zusätzlichen Nutzen ergeben, aber Hinweise auf eine
Schwäche durch Überbelastung bei einigen Patienten. Es gibt
ebenfalls Hinweise, dass die Therapieverfahren für die
verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen unterschiedlich effektiv
sind, hier müssen aber weitere Untersuchungen abgewartet werden,
bis gesicherte Daten vorliegen. Training soll grundsätzlich mehr
mit dem Ziel der Funktionsbesserung, nicht mit dem Ziel der
Kräftigung erfolgen. Dabei sollten Patienten mit neuromuskulären
Erkrankungen angehalten werden, nicht bis zur Erschöpfung zu
trainieren. Sie sollten über die Warnzeichen einer Überbelastung
informiert sein. Hierzu gehören ein Schwächegefühl innerhalb von 30
Minuten nach der Übung oder Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach
dem Training. Andere Warnsignale beinhalten ausgeprägte
Muskelkrämpfe, Schweregefühl von Armen und Beinen und anhaltende
Kurzatmigkeit.
Dennoch ist aber durch Training mit leichter bis mäßiger aerober
Belastung wie Gehen, Schwimmen und Fahren auf dem Ergometer eine
Verbesserung der muskulären Ausdauer und der Leistungsfähigkeit des
Herz-Kreislauf-Systems und damit eine Minderung der Schwäche zu
erreichen. Schwäche bei neuromuskulären Erkrankungen hat viele
Ursachen, sie ist bedingt durch die gestörte muskuläre Aktivität,
generalisiert verminderte Belastbarkeit sowie reduzierte
Leistungsfähigkeit der Herz- und Lungenfunktion als Folge der
Immobilität oder eine Erkrankung auch des Herzmuskels und der
Atemmuskulatur. Das Training erreicht nicht nur eine Besserung der
körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch dazu bei, das
ideale Körpergewicht zu halten, Schmerzen durch Fehlbelastungen zu
mindern und depressive Verstimmungen zu bessern.
Kontrakturen kommen bei der Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener
insbesondere im Sprunggelenk vor, diesbezüglich muss regelmäßig
untersucht werden. Vorsichtiges Dehnen der betroffenen oder
gefährdeten Gelenke reduziert das Risiko des Auftretens von
Kontrakturen und verlangsamt das Fortschreiten. Zudem können je
nach Einzelfall Orthesen, also Apparate zur Stabilisierung und
Funktionsverbesserung, sinnvoll sein.
Auch die Lungenfunktion sollte regelmäßig untersucht werden. Im
Rahmen der Physiotherapie sollte bei Auftreten von Störungen auch
eine Atemgymnastik durchgeführt werden.
Hilfsmittel bei Muskeldystrophien
Eine Reihe von Hilfsmitteln können die Bewältigung der
Beeinträchtigungen durch die Krankheit erleichtern oder erst
ermöglichen. Hierzu können gehören Duschstuhl, Badewannen-Lifter,
Toilettensitzerhöhungen, Rollstuhl, Rampen für den Rollstuhl,
Krankenbett, aber auch kleine Hilfen wir Greifzangen. Das
Ausprobieren und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne
der Ergotherapie.
Sozialmedizinische Aspekte bei
Muskeldystrophien
Hierbei können verschiedene Aspekte zur Sprache kommen. Gilt es zum
Beispiel den Arbeitsplatz zu retten, kann das Beantragen einer der
Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung wie evtl. auch die
Vereinbarung zusätzlicher Pausen wichtige Unterstützung bringen.
Sozialarbeiter können bei diesen Problemen beraten und
unterstützen. Sie wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen
sind. Auch die Beratung mit der Frage der (Teil-) Berentung kann
wichtige Hilfestellungen geben. Bei schwerer betroffenen Personen
müssen die Leistungen nach dem Pflegegesetz oder dem
Schwerbehindertengesetz bekannt sein. Auch hier muss man wissen, an
wen man sich als Betroffener wenden muss.
Muskeldystrophien - Selbsthilfegruppen
Wichtig ist auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen. Sie können
wichtige Hilfestellungen in vielen Bereichen, beispielsweise zum
Umgang mit Kostenträgern für Hilfsmittel, Therapien etc. geben. Die
Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist sehr zu empfehlen. In
Deutschland gibt die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM,
www.dgm.org) Unterstützung für Patienten mit
Muskeldystrophien.
Stationäre Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation) bei
Muskeldystrophien
Regelmäßige ambulante Behandlungen sind in der Regel erforderlich,
um Fähigkeiten kontinuierlich auf einem möglichst stabilen Niveau
zu erhalten. Um latent vorhandene Fähigkeiten und muskuläre
Funktionen zu verbessern, den Verlauf damit günstig zu
beeinflussen, ist die stationäre Rehabilitation notwendig. Sie
sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Wenn die Erkrankung
durch Verschlechterung von Funktionen es erfordert, kann sie in
verkürzten Abständen erfolgen, beispielsweise jährlich. Mit einem
entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden
Neurologen wenden Sie sich an den zuständigen Kostenträger. Für
Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der
Rentenversicherungsträger, also die Deutsche Rentenversicherung,
ehemals DRV-Bund oder LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um
den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist in der Regel die Krankenkasse
anzusprechen. Wichtig ist, dass im Antrag nicht nur die Symptome,
sondern auch die konkreten Konsequenzen im Alltag angegeben werden,
zum Beispiel die Abnahme der Gehstrecke oder der Gangsicherheit,
Verminderung der körperlichen Belastbarkeit mit Beispiel. Auch
müssen die Behandlungsziele mit beschrieben werden.
Neuromuskuläre Erkrankungen sind selten. Deshalb ist es wichtig
ist, dass die Behandlung in einer Rehabilitationsklinik
stattfindet, die in der Behandlung neuromuskulärer Krankheitsbilder
versiert ist. Es ist erforderlich, dass die Therapeuten regelmäßig
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen behandeln. Intensität
und Art der Behandlung unterscheiden sich deutlich von der
Behandlung anderer neurologischer Erkrankungen. Die
Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner
hat in den letzten Jahren konsequent den Schwerpunkt der Behandlung
neuromuskulärer Krankheiten aufgebaut. Ca. 30 Patienten mit
neuromuskulären Erkrankungen werden regelmäßig in unserer Klinik
behandelt. Auf diese Weise ist auch der Austausch mit anderen
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen möglich. Unser
Behandlungsprogramm umfasst je nach den individuellen
Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik,
Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage.
Wichtiger Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den
Umgang mit den Erkrankungen und Krankheitsverarbeitung sind
wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig findet ein
spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem
aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in
der wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert
werden. Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit,
viele Fragen über die jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu
bekommen.
Wenn Sie Fragen zu dieser Thematik haben, stehen wir Ihnen per E-Mail: Neurologie@reha-klinik.de gerne zur Verfügung
Mit den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher
Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
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Aktualisiert am 12.03.2009