In der Wachstumsphase muss ein ausreichender Pool an Knochendichte aufgebaut werden. Man kann die Situation mit einem Sparbuch vergleichen. Wenn das Sparbuch in der Jugend und im Erwachsenenalter gut gefüllt wird, kann ...
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Prävention und Behandlung der Osteoporose

Prävention und Behandlung der Osteoporose

In der Wachstumsphase muss ein ausreichender Pool an Knochendichte aufgebaut werden. Man kann die Situation mit einem Sparbuch vergleichen. Wenn das Sparbuch in der Jugend und im Erwachsenenalter gut gefüllt wird, kann man im Alter davon lange profitieren.

Die in der Jugend erworbene Knochendichte nimmt im Laufe des Alters schon genetisch bedingt ab. Bei der Frau kommt es zu einem nochmaligen deutlichen Knick nach der Menopause, bedingt durch die Hormonumstellung.

Die oben dargestellte Abbildung verdeutlicht, dass die Prävention der Osteoporose bereits in der Kindheit mit dem Skelettaufbau beginnen muss. Calciumreiche Kost liefert das Baumaterial, um bis zum 25. Lebensjahr das Erwachsenenskelett mit bester Knochendichte zu vollenden. Deshalb sollen Kinder und Jugendliche bis 4 x mehr Calcium pro kg Körpergewicht zu sich nehmen als Erwachsene. Ausreichende Calciumzufuhr ist mit bewusster Ernährung verbunden.
Wenn Teenager besonders gewichtsbewusst sind, kann dieses Ziel auch durch calciumreiche, aber fettarme Kost (fettarme Milch, fettarmer Käse, fettarmer Joghurt, calciumangereicherten Säften und Brot) erreicht werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass während der Schwangerschaft und Stillzeit der Bedarf an Calcium besonders hoch ist.

Eine ausreichende Calciumversorgung sollte jeden Menschen als Osteoporoseprophylaxe ein Leben lang begleiten.

Zu beachten ist dabei, dass "Knochenräuber" (Koffein, hoher Konsum von Zucker, Salz, Phosphat, Fett und Eiweiß) die Aufnahme von Calcium dramatisch behindern.

Zur Calciumsubstitution bieten sich Calciumtabletten an.

Medikamente können bei der Entwicklung der Osteoporose eine große Rolle spielen, wenn sie als Nebenwirkung knochenschädigend sind. An erster Stelle sind die Glukokortikoide zu nennen, die bei regelmäßiger Einnahme zwangsläufig zur sekundären Osteoporose führen (dass sind z. B. Prednisolon, Dexamethason).
Auch Langzeittherapie mit hohen Dosen eines Cortisonsprays kann Osteoporose verursachen. Gerade für "Cortisonpatienten" ist es extrem wichtig, zusätzliche schädigende Verhaltensweisen wie falsche Ernährung und Lebensstil (Rauchen und Alkohol) zu vermeiden.
Schilddrüsenhormone, Antikoagulantien (Medikamente, die das Blut verflüssigen), Antikonvulsiva (Medikamente, die Krampfanfälle vermeiden) können zur Mineralisationsstörung führen.

Es gibt auch knochenschädigende Krankheiten, die man erkennen und gezielt behandeln muss. Dazu gehören z. B. die chronische Polyarthritis, also ein Rheuma, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Schilddrüsenüberfunktion, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz.
Entzündliche Darmerkrankungen oder der Zustand nach Magen-Darm-Operation führen zur verminderten Aufnahme von Calcium und Vitamin D und bedürfen deshalb einer regelmäßigen Vitamin- und Calciumzufuhr.

Wir alle wünschen uns lebenslang stabile Knochen.
Die Basis dafür stellt auch regelmäßige sportliche Aktivität dar. Bewegung stärkt bekanntermaßen Muskeln, aber auch Gelenke und Knochen.
Am Skelett wirkende Druck- und Zugkräfte initiieren die Neubildung von Knochen.
Körperliche Aktivität hat Bedeutung bezüglich Sicherheit und Koordination, fördert die Gesamtdurchblutung und wirkt sich positiv auf den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System aus.
Die besten Übungen für den Knochen sind solche, die gegen die Schwerkraft erfolgen (Treppensteigen, Laufen, Bergwandern, vorsichtiges Gewichtheben und Sprungübungen, nach Absprache mit dem Arzt).

In der Orthopädie wird häufig die sportliche Betätigung im Bewegungsbad und das Radfahren empfohlen. Bezüglich Osteoporose bewirken diese Aktivitäten, unter Aufhebung der Eigenschwere, keine signifikante Verbesserung der Knochendichte.

Zum Leistungsspektrum unserer Klinik gehört, neben Osteoporosegymnastik, individuell gestaltete moderate Medizinische Trainingstherapie (MTT), auch für ältere Patienten.
Voraussetzung für die Teilnahme an der MTT ist, dass noch keine Wirbelkörperfrakturen vorhanden sind. Bei der Auswahl der sportlichen Aktivität sind Faktoren wie individuelle Veranlagung sowie Spaß und Freude zu beachten, sonst ist nicht mit langfristiger Compliance zu rechnen.

Ist die Osteoporose vorhanden, gilt es schnell zu therapieren.
Die Basistherapie besteht in jedem Falle in der Gabe von Calcium und Vitamin D. Calcium und Vitamin D sind die besten Freunde des Skeletts.
Spätestens in der Zeit um das 50. Lebensjahr sollte die Frau auf konsequente Zufuhr von Calcium und Vitamin D achten.
Studien haben gezeigt, dass dann das Frakturrisiko um 40 % reduziert werden kann.
Zum therapeutischen Einsatz sollte man täglich 1000 mg Calcium und 800/E Vitamin D einnehmen.

Mit den Bisphosphonaten stehen potente Substanzen zur Verfügung, die vor allem den Knochenabbau hemmen und damit eine positive Knochenbilanz schaffen.
Die stickstoffhaltigen Bisphosphonate sind effektive Medikamente zur Behandlung aller Formen der Osteoporose.
Bisphosphonate verbessern die Knochenstabilität.
Die Einnahmeprinzipien bedürfen besonderer Beachtung. Bisphosphonate müssen nüchtern eingenommen werden, im Stehen, ausschließlich mit Leitungswasser. Sehr angenehm ist es, dass es von den Bisphosphonaten Fosamax und Actonel eine Wochentablette gibt, was die Einnahme vereinfacht und die Akzeptanz erhöht.

Actonel ist zugelassen für die Behandlung der postmenopausalen Osteoporose und der glukokortikoidinduzierten Osteoporose.
Fosamax ist zugelassen für die Behandlung der Osteoporose bei Mann und Frau.

Die optimale Dauer der Bisphosphonattherapie beträgt 1-3 Jahre, in Abhängigkeit von dem Schweregrad der Osteoporose und Zunahme der Knochendichte.

Man sagt:

  • die Reparaturphase beträgt bis 12 Monate.
  • die Wiederaufbauphase dauert bis 36 Monate.
  • die Erhaltungsphase vom 24. bis 60. Monat.

Während der Osteoporosetherapie kommt es nicht nur zur Zunahme der Knochendichte und Abnahme der Frakturrate, sondern auch zur Abnahme der osteoporoseassoziierten Knochenschmerzen, Zunahme an Lebensqualität und Mobilität sowie Abnahme der Krankenhausaufenthaltstage.

Als neue effektive antiresorptive Therapie für die Frau nach den Wechseljahren gibt es Raloxifen oder EVISTA.
EVISTA ist kein Hormon, wie immer wieder von den Patientinnen angenommen wird, sondern ein Östrogenrezeptorantagonist.
Raloxifen hat einen positiven Effekt auf den Knochen, ohne negative Nebenwirkungen für Brust oder Gebärmutter.
Eine große klinische internationale Studie konnte darstellen, dass Raloxifen das Risiko für Wirbelkörperbrüche halbieren kann.
Außerdem zeigte es sich, dass sie Brustkrebsgefahr sowie die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenüber einer Vergleichgruppe sank.

Allerdings geht Raloxifen mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien einher. Deshalb sollten Frauen mit bestehenden oder durchgemachten Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien nicht mit Raloxifen behandelt werden.
Raloxifen ist für die Prävention und Therapie der postmenopausalen Osteoporose zugelassen.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 60 mg. Das Medikament kann unabhängig von der Tageszeit oder Mahlzeit eingenommen werden.

Parathormon (Forsteo)
wird eingesetzt zur Behandlung von besonders schweren Osteoporosefällen, bei denen sich trotz Bisphosphonatbehandlung neue Wirbelkörperfrakturen einstellten.
Dosierung: täglich eine Injektion von 20 mg Forsteo für maximal 18 Monate.

Das Parathormon hat einen völlig anderen Ansatz als die Bisphosphonate.
Bisphosphonate reduzieren den Knochenabbau.
Studien haben belegt, dass das Parathormon den Knochenumbau stimuliert, mit Vermehrung neugebildeter Matrix, aber geringerer Mineraldichte.

Die Hormonersatztherapie hat in der Osteoporosebehandlung keinen Stellenwert. Sie hat zwar einen Antiosteoporoseeffekt, führt zur Senkung der Wirbelkörper- und Hüftfrakturhäufigkeit und hat außerdem eine positive Wirkung auf klimakterische Beschwerden. Der Grund für die Ablehnung der Hormonersatztherapie bei der Osteoporosebehandlung liegt in dem durch neue Studienlage belegten erhöhten Brustkrebsrisiko.

Calcitonin
Die eigentliche Domäne des Einsatzes von Calcitonin ist das schnelle Ansprechen des Knochenschmerzes bei Wirbelfrakturen. Calcitonin gehört in die B-Klassifikation der Leitlinien zur Osteoporosebehandlung. Laut Datenlage zieht Calcitonin keine Verringerung des Frakturrisikos nach sich.

Fluoride
Durch Studien konnte eine Senkung der Frakturrate nicht signifikant belegt werden.
Fluoride sollen über Stimulierung der Osteoblasten zu einer Zunahme der Knochenmasse führen, allerdings weist der neu gebildete Knochen eine mangelhafte mechanische Belastbarkeit mit erhöhter Frakturneigung auf. Es wird minderwertiger Geflechtknochen gebildet.
Wegen der widersprüchlichen Studienergebnisse erscheinen Fluoride nicht in der Leitlinie.

Strontium (Protelos)
Strontium bietet einen neuen Ansatz der Osteoporosebehandlung.
Strontium steigert die Knochenformation und bremst gleichzeitig die Knochenresorption.
Aus diesen Vorgängen resultiert eine positive Knochenbilanz.
In den klinischen Studien zeigte sich bei postmenopausalen osteoporotischen Frauen unter Strontiumtherapie eine signifikante Risikoreduktion für Wirbelkörperfrakturen.
Zur Einnahme von Strontiumranelat 2 g in ein Glas Wasser einrühren, einmal täglich trinken.
Die Verträglichkeit von Strontium wird als gut beschrieben.
Protelos ist zur Anwendung bei der postmenopausalen Frau indiziert.

Die Behandlung und stationäre Rehabilitation einer Osteoporose ist immer individuell,
in enger Absprache zwischen Patient / Arzt und Therapeut zu gestalten.

Bei Fragen zur Osteoporose stehen wir jederzeit gern unter der
Tel.-Nr. 05652/55-821
oder besser per Mail  (Orthopaedie@reha-klinik.de) zur Verfügung

mit besten Wünschen für Ihre Knochengesundheit

Ihre
Dr. P. Brückner
Fachärztin für Orthopädie,
Fachärztin für Physikalische und
Rehabilitative Medizin,
Neuraltherapie, Akupunktur, Chirotherapie, Sportmedizin
- Chefärztin der Orthopädischen Abteilung -

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