
Bei unserer Telefonaktion zum Thema Schlaganfall liefen die Drähte heiß. Auch immer mehr jüngere Menschen sind von Gefäßerkrankungen betroffen.
(HNA, Sonntagszeit Nr. 19 vom 13.05.2001)
Von unserer Redakteurin Martina Heise-Thonicke
Es passiert wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Plötzliche treten Lähmungen auf oder Schwindel, sind Worte einfach verschwunden -wie niemals erlernt. Schlaganfall! Bei den Todesursachen in Deutschland steht er an dritter Stelle hinter Herzinfarkt und bösartigen Tumoren. Mehr als 250000 Bundesbürger sind jährlich betroffen, 20 Prozent von ihnen sterben im ersten Monat nach dem Ereignis. Und: Schlaganfall ist die häufigste Einzelursache für Behinderungen, etwa 1,5 Millionen Patienten leben mit den Folgeschäden.
Dabei sind nicht nur ältere Menschen von dem Hirninfarkt
bedroht. Ein besonderes Risiko haben Menschen mit Bluthochdruck,
Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Vorhofflimmern. Bei
gesunden Menschen erhöhen Rauchen, Alkoholmissbrauch,
Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel die Gefahr, einen
Schlaganfall zu erleiden. Vorbeugend lässt sich also einiges
tun.
Wie groß die Betroffenheit ist, machte unsere Telefonaktion
anlässlich des Tages des Schlaganfalls deutlich:
Frage: Mein Mann ist seit vielen Jahren
Diabetiker. Vor einigen Tagen hatte er Sehstörungen und der
Mundwinkel hing herunter. Das hat sich inzwischen wieder gebessert.
Könnte dies ein Schlaganfall gewesen sein?
Antwort: Diese Symptome könnten tatsächlich auf
einen Schlaganfall hindeuten. Ihr Mann sollte so schnell wie
möglich seinen Hausarzt aufsuchen und sich eingehend untersuchen
lassen. Diabetes ist einer der Risikofaktoren für einen
Schlaganfall. Und dieses Ereignis könnte sich - dann vielleicht mit
schlimmeren Folgen - wiederholen. Doch es gibt heute wirksame
Medikamente, um dieses Risiko deutlich zu reduzieren. Auch ist es
wichtig, dass der Diabetes gut eingestellt ist.
Unsere Tochter (41) hatte kürzlich einen Schlaganfall. Die Ärzte
im Krankenhaus haben ihr das Medikament "Plavix" verordnet und
gesagt, sie müsse lebenslang Medikamente einnehmen, um einem
weitere Schlaganfall vorzubeugen. Ist dieses Mittel überhaupt zur
Langzeiteinnahme geeignet?
Plavix ist ein relativ neues Medikament, mit dem ihre Tochter gut
versorgt ist. Bevor es zugelassen wurde, ist es erprobt worden.
Bisher ist nicht bekannt, dass es bei längerer Einnahme zu
spezifischen Problemen kommt.
Mein Vater hatte kürzlich drei Schlaganfälle. Habe ich durch
familiäre Veranlagung ein höheres Risiko für einen Schlaganfall?
Ich habe auch etwas erhöhte Cholesterinwerte. Was kann ich
vorbeugend tun?
Wenn keine anderen Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck,
Rauchen oder Übergewicht hinzukommen, kann man von einem nur leicht
erhöhten Risiko ausgehen. Es ist wichtig, dass Sie auf Ihre
Ernährung achten und diese langfristig umstellen: Essen Sie weniger
tierische Fette und Fleisch, mehr Obst und Gemüse und
Ballaststoffe. Gewöhnen Sie sich an, morgens, mittags und abends
ein bis zwei Esslöffel Haferkleie (gibt es im Reformhaus) in einen
Joghurt zu rühren und etwas quellen zu lassen. Dies wirkt im Darm
cholesterinsenkend. Nach einiger Zeit lässt sich damit
nachgewiesenermaßen eine Reduzierung des Cholesterinspiegels um
zehn bis fünfzehn Prozent erreichen. Wichtig sind außerdem Bewegung
und regelmäßige Untersuchungen.
Ich leide unter hohem Blutdruck und bekomme ein Medikament
dagegen. Aber ich setze es immer wieder ab, weil mir nicht wohl
ist, wenn ich es einnehme. Da ich auch Übergewicht habe, fürchte
ich ein wenig, schon zu einer Schlaganfall-Risikogruppe zu
gehören.
In der Tat ist Bluthochdruck einer der wesentlichen Faktoren für
Herzinfarkt und Schlaganfall. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die
Medikamente weiter und regelmäßig nehmen. Dann werden auch die
Beschwerden sicher bald nachlassen. Seien Sie zurückhaltend beim
Salzen von Speisen. Meiden Sie Fertiggerichte und bevorzugen Sie
natriumarmes Mineralwasser. Wenn Sie Ihr Gewicht reduzieren und auf
Bewegung achten, tun Sie Ihrem Blutdruck noch mehr Gutes. Der
systolische Wert sollte nicht höher als 140, höchstens 145 sein,
der diastolische nicht höher als 80 bzw. 85.
Mein Mann (83) hatte bereits mehrere Schlaganfälle. Er kann nur
noch sehr schlecht laufen und vor allem sein linker Arm und seine
Hand sind sehr eingeschränkt. Ich halte ihn regelmäßig zu ein wenig
Handgymnastik an. Was können wir noch tun?
Bewegen, bewegen, bewegen! So viel wie möglich. Sprechen Sie doch
demnächst mit Ihrem Hausarzt darüber, ob er Krankengymnastik
verordnen kann. Das würde ihrem Mann sicher helfen und ihn bei den
Bewegungen unterstützen.
Experten am Telefon waren Dr. Carsten Schröter, Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meißner in Bad Sooden-Allendorf, Dr. Michael Müller, Chefarzt der Inneren Abteilung des Kreis- und Stadtkrankenhauses Witzenhausen und Dr. Joachim-P. Joester, Gefäßchirurg und Oberarzt der Chirurgischen Abteilung desselben Krankenhauses.
Rat und Hilfe
Weitere Informationen und Hilfe bietet unter anderem die Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Carl-Bertelsmann-Straße 256 in 33311
Gütersloh, Tel: 05241-9770-0, Internet: www.schlaganfall-hilfe.de
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Aktualisiert am 24.02.2009